Barrierefreies Webdesign: Was ist das?

von Ronald Boda

Was ist das? Warum gibt es das? Was soll ich damit?

Unter barrierefreiem Webdesign versteht man, das die Website (eine Ansammlung von einzelnen Seiten auf einer Domain) unabhängig von körperlichen, geistigen oder technischen Einschränkungen gut verstanden und bedient werden kann. Die bestehenden gesetzlichen Vorschriften (BITV (= Bundes Informationstechnologie Verordnung) in Deutschland oder eGovernementgesetz bzw. Behindertengleichstellungsgesetz in Österreich) ziehen als Basis für die Erfüllung die vom W3C veröffentlichten WCAG Richtlinien heran. Und damit können wir vom „geschwollenen“ Text endlich zur verständlichen Sprache kommen.

Webseiten haben meist das Ziel, Informationen an Menschen weiterzugeben. Einem Webseitenbetreiber ist das wohl am wichtigsten. Zielführend wird das Ganze aber erst dann, wenn diese Informationen auch von allen Menschen aufgenommen werden können. Allerdings erfreuen sich nicht alle von uns bester Gesundheit und nicht jeder hat die neuesten Technologien zur Verfügung. Also müssen Mittel gefunden werden, die es auch behinderten Menschen oder solchen mit schmalem Budget ermöglichen, diese Informationen abzurufen.

Dafür wurden die WCAG Richtlinien geschrieben. Sie beschreiben eine barrierefreie Website als wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Im Detail bedeutet das:

1. Wahrnehmbarkeit:

Wahrnehmbar ist eine Webseite dann, wenn die Farben so gewählt sind, dass auch Menschen mit Sehbehinderung (Schwachsichtigkeit bzw. Farbenblinde) die Buchstaben problemlos sehen können. Dabei spielen sowohl die Farben selbst, als auch die Kontraste (Vordergrund / Hintergrund) eine Rolle bei der Wahrnehmbarkeit. Klingt zwar eigentlich selbstverständlich, aber ich habe schon oft Webseiten mit weißer Schrift auf hellgrauem Hintergrund oder orange auf weiß gesehen (findet sich meist im Fußbereich von Websites, wo die unangenehmen Sachen wie z.B. die AGBs oder die Kontaktadresse stehen). Eine gute Hilfestellung zum Testen von Schrift- und Hintergrundfarbe bietet die Webseite http://www.rohschnitt.de/drag_queen.htm.

Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang sind Bilder. Bilder sind wichtig für eine Webseite, weil sie oftmals auch Emotionen vermitteln sollen. Ein Alternativtext bietet auch blinden Besuchern (also auch unseren heißgeliebten Suchmaschinen) Informationen darüber, ob es sich um eine Zeichnung oder ein Foto handelt und was darauf zu sehen ist.

Audioinhalte können zwar auch von blinden Besuchern gehört werden, Tauben oder Schwerhörigen ist die Information aber nur dann zugänglich, wenn es auch ein entsprechendes Textpendant dazu gibt.

Videos wiederum können von blinden Menschen nicht wahrgenommen werden, weshalb es für diese Gruppe wichtig ist, auch eine Textbeschreibung dazu nachlesen zu können. Für Gehörlose ist eine entsprechende Untertitelzeile ausreichend.

2. Bedienbarkeit:

Als bedienbar gilt eine Webseite unter anderem dann, wenn alle Funktionen bzw. Funktionalitäten auch ausschließlich über die Tastatur bedienbar sind. Kommt man mit dem Tabulator vom Anfang bis zum Ende einer Webseite, ist das schon mal ein guter Anfang.

Bleibt nur mehr der Punkt „ausreichend Zeit geben“. Damit ist gemeint, dass jeder Besucher die Zeit hat, die er selbst benötigt, um die Inhalte zu lesen (oder zu hören). Im 3-Sekundentakt rotierende Werbebanner dürfen sich an dieser Stelle ausdrücklich angesprochen fühlen!

3. Verständlichkeit:

Hierunter ist nicht bloß die einfache Formulierung zu verstehen. Es ist schon klar, dass eine Fachwebseite für z.B. Mediziner mit vielen lateinischen Begriffen versehen ist. Und so mancher hat sicher schon mit den Formulierungen von Rechtsanwälten zu kämpfen gehabt. Die zunehmende Anzahl an Webseiten, welche Fachbegriffe erklären, zeigt auf, dass hier wohl einiger Bedarf besteht. Aber die Inhalte sind ja auch meist Dinge, die der Webseitenprogrammierer selbst kaum beeinflussen kann.

Unter den Punkt Verständlichkeit ist aber auch so etwas Banales wie die Vorhersehbarkeit von Aussehen und Funktion angeführt. Damit ist gemeint, dass z.B. das Menü wie auch Links immer gleich aussehen. Damit ist im Grunde jedem Menschen geholfen, weil er/sie sofort erkennt, dass es 1. hier etwas zum Klicken gibt und 2. er/sie damit die aktuelle Seite verlässt und auf eine andere Webseite geleitet wird. Im Idealfall gibt ein zusätzlicher Linktext dabei Auskunft darüber, was er/sie davon hat.

Wenn man Besuchern zusätzlich hilft, bei Formularen Fehler zu vermeiden und zu korrigieren, erhöht das ebenfalls die Freude, auf genau dieser Webseite Informationen abzurufen.

Und damit kommen wir zum letzten Abschnitt der WCAG Richtlinien:

4. Robustheit:

Im Grunde geht es in diesem Abschnitt darum, die Website unabhängig von der dem Besucher zur Verfügung stehenden technischen Ausrüstung (Hardware und Software) zugänglich zu machen. Gerade heute stehen unzählige Größen von Displays (von 640x480 bis 1960x1050 und mehr) und auch eine Vielzahl an Browsern und Browserversionen zur Verfügung.

Contao bietet in diesem Zusammenhang von Grund auf eine breite Unterstützung an, weshalb wir von Contao Austria gerne damit arbeiten. Selbstverständlich können wir in unserem Kreis auch mit zusätzlichen Erweiterungen und Helferleins einen zusätzlichen Pepp geben. Unsere Kontaktdaten sind im Mitgliederbereich zu finden.

Zusammenfassend kann man zum Schluss kommen, dass barrierefreie Webseiten gut durchdachte und präsentierte Produkte sind. Die Erfüllung der Kriterien hilft immer allen Menschen, sowohl dem Webseitenbetreiber als auch den Besuchern, für die sie erstellt wurde!

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis: Die zuvor genannten Punkte bieten lediglich eine grobe Zusammenfassung der Richtlinien. Wer sich näher damit beschäftigen will, kann sich über die Details gerne auf der offiziellen deutschsprachigen Webseite der WCAG, erreichbar unter http://www.w3.org/Translations/WCAG20-de/, näher informieren.

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Kommentar von Johannes Pichler |

Hallo Ronald,

vielen Dank für Deinen interessanten Beitrag.

LG, Johannes

Kommentar von Ronald |

Danke, Johannes.
Ich hoffe, das Thema ist damit verständlich erklärt und die Anregungen werden angewendet!
LG Ronald

Antwort von Johannes Pichler

Ob es Anwendung findet, we will see... Lachend

Verständlich erklärt auf alle Fälle!